Georgisches Kammerorchester (Galakonzert)

Sonntag, 07. Oktober 2018, 17:00 Uhr
Solist und Leitung: Daniel Müller-Schott, Violoncello

R. Strauss: Streichsextett F-Dur aus Capriccio op. 85 in Orchesterfassung
P. I. Tschaikowsky:   Variationen über ein Rokoko-Thema op. 33
E. Bloch: „From Jewish Life“ für Violoncello, Streichorchester und Harfe
P. I. Tschaikowsky:   „Souvenir de Florence“ d-Moll op. 70 in Orchesterfassung


PERSONALIA:7Mller Schott UweArens
Daniel Müller-Schott zählt heute zu den weltbesten Cellisten und ist auf allen wichtigen internationalen Konzertpodien zu hören. Seit zwei Jahrzehnten begeistert er sein Publikum mit seiner gewinnenden Persönlichkeit, „ein furchtloser Spieler mit überragender Technik“ (New York Times). Daniel Müller-Schott gastiert bei den führenden internationalen Orchestern; in den USA mit den Orchestern in New York, Boston, Cleveland, Chicago; in Europa bei den Berliner Philharmonikern, beim Gewandhausorchester Leipzig oder bei den Münchner Philharmonikern, um hier nur einige zu nennen. Mittlerweile hat er eine umfangreiche und beeindruckende Diskographie bei den führenden Musik­labels vorgelegt.
Weitere Informationen: www.daniel-mueller-schott.com


7Orchesterfoto ohne Dirigent Schraegformat FotografieSeit seiner Übersiedelung nach Deutschland 1990 hat das Georgische Kammerorchester seinen Sitz in Ingolstadt. Inzwischen hat sich das ehemalige Exil-Orchester mit Unterstützung der Stadt Ingolstadt und weiteren Sponsoren zu einem festen Bestandteil des regionalen und überregionalen Kulturlebens entwickelt. Das Georgische Kammerorches­ter Ingolstadt versteht sich als Ensemble, das sich nicht nur für ein denkbar breites Repertoire verantwortlich fühlt, sondern als kultureller Botschafter der Stadt Ingolstadt auch Aktivitäten außerhalb der Abonnementreihen entfaltet. Rund neunzig Konzerte im Jahr führen das Orchester auch regelmäßig zu Musikfes­tivals wie dem Internationalen Musikfest Kreuth, den Oettinger Residenzkonzerten oder dem Festlichen Sommer in der Wies sowie zu Konzerten ins Ausland. Seit 2010 wird das Ensemble als nichtstaatliches Kulturorchester vom Freistaat Bayern gefördert.
Weitere Informationen: www.georgischeskammerorchester.de

WERKBESCHREIBUNGEN:
Daniel Müller-Schott präsentiert sich mit einem Programm, das gewissermaßen um eine gewisse Nostalgie kreist. Das berührt einerseits Klanglichkeiten und Stilistiken, die auf vergangene Epochen verweisen. Andererseits spiegeln manche Werke besondere Erlebnisse oder Lebensläufe wider.

Mozartähnlich gibt sich das Streichsextett F-Dur von Richard Strauss, ergänzt um einen Tonfall, der an die Kammermusik von Johannes Brahms erinnert – vor allem an dessen Streichsextette. Diese schöpferische Rückschau, zugleich eine persönliche Bilanz, prägte generell die Musik von Strauss in den 1940er-Jahren, was seinen Spätstil umso weltentrückter und zeitloser erscheinen lässt. Dabei bildet dieses Streichsextett das Vorspiel zu Strauss‘ letztem Bühnenwerk „Capriccio“ – ein Werk, mit dem Strauss zugleich seine zwei großen Opern-Idole würdigte: Mozart und ­Wagner. In diesem „Konversationsstück für Musik“, Strauss selbst sprach auch von „Theoretischer Komödie“, geht es um den altbekannten Bühnenkonflikt, ob die Musik den Worten zu folgen habe oder die Worte der Musik.

In den „Rokoko-Variationen“ von Peter Tschaikowsky aus dem Jahr 1876 variiert der Komponist ein Thema, das er im Stil von Wolfgang Amadeus Mozart entwarf, aber von ihm selbst stammt. Dahinter verbirgt sich ein Plädoyer für klassische Entschlackung in (hoch)romantischem Kontext, was in reduzierter Bearbeitung mit Streichorchester noch deutlicher wird. Den Solopart hatte Tschaikowsky für und mit dem deutschen Cellisten und Komponisten Wilhelm Fitzenhagen skizziert, seinerzeit Solocellist der Russischen Musikgesellschaft und zudem auch von Franz Liszt sehr verehrt.

Ernest Bloch komponierte „From Jewish Life“ in Santa Fe in New Mexico, wo er im Urlaub weilte. Das 1924 entstandene Musikstück zählt zu jenen Werken, in denen er seinen jüdischen Wurzeln nachspürte. Die drei kurzen Sätze wurden Hans ­Kindler gewidmet, der zuvor „Schelomo“ uraufgeführt hatte, sein bekanntestes Werk für Cello und Orchester. Unüberhörbar ist die Musiksprache des Judentums Osteuropas. In den drei Sätzen „Prayer“ (Gebet), „Supplication“ (Flehen) und ­„Jewish Song“ schimmern Synagogen-Modi durch: „Magen Avot“, „S’licha“, „Av Harachamim (Mi Shebeirach)“, „Adonay Malach“ oder „Ahava Rabba“.
Ursprünglich für Cello und Klavier gesetzt, bearbeitete der Komponist Chris­topher Palmer das Werk für Cello und Streichorchester mit Harfe.

Von den Streichsextetten von Brahms ist zudem Tschaikowskys „Souvenir de Florence“ op. 70 von 1890/92 inspiriert, ursprünglich ebenfalls ein Streichsextett, das jedoch auch in Bearbeitungen für Streichorchester vorliegt. Wie der Titel schon verrät, reflektierte Tschaikowsky in dem Werk seinen Aufenthalt in Florenz. In einem Hotelzimmer hatte er 1889/90 an seiner Puschkin-Oper „Pique Dame“ gearbeitet. Ein ausgesprochen persönlich gefärbtes Stimmungsbild ist herausgekommen, das mit der Stadt am Arno und mit ­Italien im Grunde wenig zu tun hat. Dieses Werk hatte Tschaikowsky seiner Gönnerin und Förderin Nadjeschda von Meck gewidmet: Sie hatte ihm nicht zuletzt aus der tiefen Krise einer Scheinehe geholfen, mit der Tschaikowsky seine Homosexualität zu bezwingen versucht hatte.

PROGRAMM:

Richard Strauss (1864–1949)
Streichsextett F-Dur aus Capriccio op. 85, arr. für Streichorchester

Andante con moto

Peter I. Tschaikowsky (1840–1893)
Variationen über ein Rokoko-Thema op. 33, arr. für Violoncello und Streichorchester v. Bernhard Jestl

*** PAUSE ***

Ernest Bloch (1880–1959)
„From Jewish Life”, arr. für Violoncello und Streichorchester mit Harfe v. Christoph Palmer

Prayer
Supplication
Jewish Song

Peter I. Tschaikowsky (1840–1893)
„Souvenir de Florence” op. 70, arr. für Streichorchester

Allegro con spirit
Adagio cantabile – Moderato – Tempo I
Allegretto moderato
Allegro vivace