Camerata Europeana

Sonntag, 30. Juni 2019, 19.00 Uhr
Leitung und Violine: Radoslaw Szulc

G.F. Händel: 
Wassermusik – Suite Nr. 1 F-Dur HWV 348
A. Vivaldi: Konzert für Violine und Orchester a-Moll RV 356
  Konzert für Violine, Violoncello und Orchester B-Dur RV 547
J. Haydn: Sinfonie G-Dur Hob. I:47

 
PERSONALIA:
Immer wieder begeistert das Orchester Camerata Europeana das Publikum in Oettingen. In diesem Ensemble spielen Musiker aus ganz Europa. Durch deren Spielfreude und außerordentliche Qualität genießt das Orchester im In- und Ausland einen exzellenten Ruf. Die letzten Jahre glänzte das Orchester bei Konzerten im Rahmen von namhaften Festivals wie dem „Heidelberger Frühling“ oder den „Sommets Musicaux de Gstaad“.4 30Juni

Dirigent Radoslaw Szulc ist sowohl erster Konzertmeister des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks als auch Leiter dessen Kammerorchesters. Die Arbeit mit aktuell berühmtesten Dirigenten wie Lorin Maazel, Mariss Jansons und Riccardo Muti inspirierte Radoslaw Szulc zu seiner eigenen Dirigenten-Laufbahn. Kein Geringerer als Sir Colin Davis empfahl ihn an die renommierte Dirigentenklasse von Leopold Hager an die Musikhochschule Wien. Nach seinem sensationellen England-Debut 2007 beim City of Birmingham Symphony Orchestra dirigiert er inzwischen Orchester wie die Bamberger Symphoniker oder das MDR Sinfonieorchester Leipzig. Radoslaw Szulc spielt eine Violine von Antonio Stradivari.

WERKBESCHREIBUNGEN:
Nicht Georg Friedrich Händel hatte einem seiner bekanntesten Werke den Titel „Wassermusik“ gegeben, sondern der pfiffige Londoner Verleger John Walsh, der die Suiten-Sätze gleich mehrfach druckte, etwa 1733/1734 unter dem Titel „The Celebrated WATER MUSICK“. Angespielt wurde damit auf ein Spektakel, an das sich die Londoner noch sehr gut erinnern konnten. Seit dem Sommer 1715 hatte der damals neue englische König George I. Wasserfahrten unternommen, um sich dem Volk bekanntzumachen. Da der aus dem Hause Hannover gebürtige Regent der englischen Sprache nicht mächtig war, boten sich solche Unternehmungen an. Doch erst am 17. Juli 1717 fand jenes Ereignis statt, bei dem Händel eine von ihm speziell hierfür komponierte Unterhaltungsmusik dirigierte. Im „Daily Courant“ konnte man wenige Tage später lesen, dass der König unmittelbar nach Sonnenuntergang, umgeben von zahlreichen weiteren Barkassen „mit Personen von Stand“, von Withehall flussaufwärts bis Chelsea gefahren war. Die Musik war speziell zu dieser Gelegenheit von dem damals schon berühmten Händel komponiert worden. Sie gefiel seiner Majestät so gut, dass er sie dreimal wiederholen ließ.

Antonio Vivaldi ist heute weniger für seine Kirchenmusik oder seine Opern bekannt als vielmehr für die vielen Solokonzerte, von denen es allein rund 230 Violinkonzerte sind. Diese Konzerte schrieb Vivaldi überwiegend für das von ihm selbst geleitete Orchester des Waisenhauses Pio Ospedale della Pietà in Venedig, das besonders begabte Mädchen in einem Musikseminar auf verschiedenen Instrumenten ausbildete. Der Zeitgenosse Charles de Brosses berichtete 1739 begeistert: „Das Orchester spielt vollkommen. Welche Korrektheit der Ausführung! Hier allein hört man diese hervorragenden Stricharten, die zu Unrecht an der Pariser Oper gerühmt werden.“

Die Geschichte der Sinfonie wurde wesentlich durch Joseph Haydn beeinflusst. So machte er mit seinen 104 Sinfonien, die er zwischen 1759 und 1794 komponierte, u.a. die Viersätzigkeit unter Einbeziehung des Menuetts zum sinfonischen Standard. Die Sinfonie Nr. 47 in G-Dur beginnt mit einem bemerkenswerten, martialischen Thema (punktierte Motive), in dem sich dissonante Hornfanfaren, zu denen sich später die Oboen gesellen, mit Streichermotiven abwechseln. Der langsame Satz ist eine beeindruckende Kombination von Kontrapunkt und Variationsform. Bemerkenswert ist, dass die Phrasen oft statt viertaktig fünftaktig aufgebaut sind. Das Menuett „al roverso" zeigt Haydns Hang zum Witz: Jeder Satzabschnitt, Menuett und Trio, umfasst lediglich eine einzige Periode ausgeschriebener Musik. In beiden Fällen entwickelt sich der zweite Abschnitt, indem der erste Teil rückwärts gespielt wird (auch Palindrom genannt). Dieser Gag soll Mozart zu dem Besuch einer Aufführung dieser Sinfonie inspiriert haben. Der Finalsatz Presto assai beginnt mit einem leise dahinjagenden Streicherthema, kontrastiert mit lärmenden Tutti- und abgründigen Mollpassagen. In diesem letzten Satz kommt auch eine ungewöhnliche Vorschlagsfigur vor, die der 2009 verstorbene große Haydnforscher H. C. Robbins Landon „Balkan snap“ benannte.


PROGRAMM:
Georg Friedrich Händel
(1685–1759)
Wassermusik – Suite Nr. 1 F-Dur HWV 348

Ouvertüre
Adagio e staccato
Allegro-Andante-Allegro
Minuet
Air
Minuet
Bourrée
Hornpipe
Allegro moderato

Antonio Vivaldi (1678–1741)
Konzert für Violine und Orchester a-Moll RV 356

Allegro
Largo
Allegro

*** PAUSE ***

Antonio Vivaldi
Konzert für Violine, Violoncello und Orchester B-Dur RV 547

Allegro
Andante
Allegro molto

Joseph Haydn (1732–1809)
Sinfonie G-Dur Hob. I:47

Allegro
Un poco adagio e cantabile
Menuet al roverso
Finale. Presto assai